VgV-Verfahren
Neubau Waldorfschule in Holzbauweise in Weilheim

VERFAHRENSART | VgV-Verfahren
AUFTRAGGEBER | Freie Waldorfschule Weilheim gemeinnützige eG


zukünftige Verfahren:

> Leistung der TWP - Lph 1-6, 7-9
> Planungsleistung HLS - ALG 1,2,3,7,8


Verfahren mit bereits abgelaufener Bewerbungsfrist:

> Architektenleistung - Lph 5, opt. 6-9


Projektbeschreibung

> Gegenstand der VgV-Verfahren:
Gegenstand der VgV-Verfahren sind Objektplanung Gebäude (Lph 5 und Besondere Leistungen (teilweise Wiederholung der Lph 3 (ca. 5 %) durch Einbindung der Fachplaner (Koordinierung der Fachplaner und Einarbeitung der Fachplanungen)) sowie optional Lph 6-9) und Leistungen der Tragwerksplanung (Lph 1-6 und Besondere Leistungen Lph 7-9) sowie Planungsleistungen der Technischen Gebäudeausrüstung der Anlagengruppen 1-3 und 7-8 (Lph 1-9) für den Neubau einer Waldorfschule in Holzbauweise bestehend aus Grundschule, Gymnasium und Ganztagesbetreuung inkl. Nebengebäude (90 m²) für Hausanschlüsse als 1. Bauabschnitt am nordöstlichen Stadtrand von Weilheim / Obb für die Waldorfschule Weilheim.

> Weitere Planungsleistungen:
Die Leistungen der Technischen Gebäudeausrüstung der Anlagengruppen 4-6 (Lph 1-9), der Tragwerksplanung (Lph 1-6 und Besondere Leistungen Lph 7-9) sowie der Freianlagenplanung und weiterer Leistungen wie beispielsweise Brandschutzplanung werden gesondert beauftragt. Diese Leistungen sind nicht Gegenstand dieser VgV-Verfahren.

> Bestandssituation:
Die 2012 gegründete Waldorfschule Weilheim erfreut sich durch das hohe Interesse der Eltern an alternativen Schulformen großen Zuspruchs. Momentan werden im provisorischen Schulgebäude in Huglfing die Klassen 1 bis 8 unterrichtet. Durch das stetige Wachstum sind die Räumlichkeiten im Standort Huglfing nicht ausreichend. Für die Schule konnte in der Kreisstadt Weilheim / Obb ein Grundstück am Narbonner Ring im Nordöstlichen Stadtgebiet erworben werden. Ein Bebauungsplanverfahren schafft die planungsrechtliche Grundlage für den Neubau der Schule. Der Aufstellungsbeschluss wurde vom Stadtrat der Stadt Weilheim am 27.09.2018 gefasst. Nach Veröffentlichung im Amtsblatt lag der Bebauungsplan vom 28.02.2020 bis 03.04.2020 aus. Mit dem Satzungsbeschluss wird im Oktober 2020 gerechnet. In einem Auswahlverfahren wurde das Büro Kéré Architektur aus Berlin ermittelt, eine Machbarkeitsstudie für den Neubau der Schule zu erstellen. Dabei wurde das ursprüngliche Vorhaben, im 1. Bauabschnitt lediglich die Grundschule zu erstellen, weiterentwickelt. Nun ist der Bau einer einzügigen Grundschule mit Gymnasialräumen geplant, so dass der Unterricht für die komplett ausgebaute Schule (12 Klassen plus Abitur- plus Mittlere-Reife-Klasse) stattfinden kann. Dabei haben fast alle Gymnasialräume vorübergehende Doppelfunktion als Klassenraum und als Fachraum. Zusätzlich zu den Unterrichtsräumen werden in dem Baukörper der Lehrer- und Verwaltungsbereich wie die Räume für die Offene Ganztagesschule der Grundschule realisiert. Damit ist bis zum Erreichen der vollen Bezuschussung der Unterricht und das Funktionieren des Schulbetriebs sichergestellt. Diese Machbarkeitsstudie durch das Büro Kéré Architektur wurde in der Folge für den ersten Bauabschnitt zu einer Genehmigungsplanung weiterentwickelt. Im März 2020 wurde der Bauantrag eingereicht, die Genehmigung wird noch in 2020 erwartet.

> Projekteckdaten:
Grundstücksgröße: ca. 14.000 m²
BGF: ca. 5.100 m²
Freiflächengröße: ca. 11.000 m²
Geschossigkeit: 2 Vollgeschosse, keine Unterkellerung
Angestrebter energetischer Standard:
KfW-Effizienzhaus 55
Förderung: knapp über 50 % durch Art. 45 Schulfinanzierungsgesetz
Bauweise: Holztafelbauweise, Stahlbeton Bodenplatten, Streifen- u. Einzelfundamente
Insgesamt werden mindestens 35 oberirdische Stellplätze benötigt. Die Erstellung dieser ist jedoch nicht Teil der ausgeschriebenen Leistung.

> Termine:
Baugenehmigung: voraussichtlich November 2020
Baubeginn: August 2021
Geplante Bauzeit: 18 Monate
Geplante Fertigstellung: Q1/2023

> Schätzkosten (netto):
KGR 300: ca. 5,8 Mio €
KGR 400: ca. 2,0 Mio €

> Planungsziele der Freien Waldorfschule Weilheim:
Von der weiterführenden Planung wird erwartet, dass die Architekturhaltung von Kéré Architecture aufgenommen und umgesetzt wird. Dabei müssen die Grundsätze der Waldorfpädagogik und die nachstehenden Rahmenbedingungen für den Bauprozess leitend sein.
Die Freie Waldorfschule Weilheim hat sich für einen Bauprozess und eine Schule entschieden, der unter folgenden Rahmenbedingungen steht:
Pädagogik: Das Gebäude, die Räume und die Ausstattung müssen der Pädagogik dienen! Die Räume, Oberflächen, Farben, die Akustik und das Klima müssen fördernd für die pädagogischen Prozesse und das Lernklima sein und die Kreativität anspornen. Sie sollen ein lernförderndes Raumklima erzeugen und die Ausgestaltung des Gebäudes soll die Fantasie anregen.
Partizipatives Bauen: Die Planung und Ausgestaltung von Gebäuden, Räumen und Schulgelände wird von Lehrern, Eltern und wo möglich mit Schülern erarbeitet.
Nachhaltiges Bauen: Die verwendeten Materialien sollen frei von belastenden Chemikalien sein, und wo möglich, und von den Eigenschaften zugelassen, aus natürlichen Grundstoffen aus der Region bestehen. So soll das Gebäude weitgehend aus Holz (Brettsperrholz aus der Region) gebaut werden. Für den Betrieb ist die Heizung und Kühlung über eine Wärmepumpe mit Photovoltaik geplant.
Der Entwurf sieht auf Wunsch der Schulgemeinschaft vor, dass die fachlichen Bereiche für alle Jahrgangsstufen jeweils im räumlichen Zusammenhang angeordnet werden. Ebenfalls ist der Arbeitsbereich des pädagogischen Personals und der Verwaltungsbereich als eine Einheit ausgeführt. Ebenso sind die Lerninseln und Arbeitsbereiche für Schülergruppen teilweise für das Gymnasium als auch für die Grundschule gemeinsam und im Wechsel benutzbar und nicht abgegrenzt.
Für die Grundschule ist eine eigene, auf zwei Ebenen im EG und OG liegende kleine Pausenhalle vorgesehen, die auch von der Mittagsbetreuung bzw. Offenen Ganztagesschule der Grundschule am Nachmittag mit genutzt werden kann. Hier haben die Schüler in den ersten Jahren eine Rückzugsmöglichkeit. Die dritte und vierte Grundschulklasse ist jeweils im OG über dem Ganztagesbetreuungsbereich bzw. Mittagsbetreuungsbereich untergebracht, so dass in diesem Gebäudeteil die Grundschule mit den Zugängen zum Musikraum, zum Zeichenraum und zum Mehrzweckraum zusammenhängend untergebracht sind. Die Hausaufgabenbetreuung in der verlängerten Mittagsbetreuung (bzw. OGS) wird im Klassenraum der 3. Klasse angesiedelt. Die dafür notwendige Ausstattung verbleibt in diesem Raum, weshalb der Raum auch ca. 8 m² größer als die anderen Klassenräume ist.
In der großen Pausenhalle können die Schüler ab der vierten Klasse die Regenpause verbringen. Sie kann auch gleichzeitig als Aula für die ganze Schule genutzt werden kann. Als Bühne kann dabei der Mehrzweckraum des Gymnasiums zur Pausenhalle hin geöffnet werden.
Die einzelnen Fächerbereiche sind in der Waldorfschule intensiv mit der handwerklichen und künstlerischen Umsetzung verknüpft. So haben die Fachräume einen großen Stellenwert und lassen auch durch ihre Ausstattung und Gestaltung die Schüler in das jeweilige Thema gut eintauchen und durch eigenes Tun das im Hauptunterricht Erfahrene selbst praktisch umsetzen.
Die Werkstätten im Norden werden zum Teil aus bereits im Besitz der Schule befindlichen Holzpavillions erstellt, die vom jetzigen Standort Huglfing mit umgezogen werden. Dieses Gebäude beinhaltet im nördlichen Teil die Hausanschlussräume, die Heizung und die Hausmeisterwerkstatt.

> Besonderheiten von Waldorfschulen:
Waldorfschulen werden in Bayern als einheitliche Volks- und Höhere Schulen genehmigt und bezuschusst. In Ihrem Konzept unterscheiden sie sich von den allgemeinen Schulen in der Pädagogik, der Handhabung im Unterricht und in der Eigenwirtschaftlichkeit. Es wird als Ausbauziel in der Regel eine Klassenstärke von 35 bis 36 Schülern angestrebt.
Der Hauptunterricht findet in der Klasse statt und wird in Epochen, jeweils 3 bis 4 Wochen lang täglich dasselbe Fach, unterrichtet. Nach der Pause wird dann die Klasse für den Fachunterricht und zur Vertiefung in den Übungsstunden, Sprachen, Praktikas, Sport, Eurythmie, Musik, Religion und Kunst geteilt. Eine einzügige Grundschule hat in einer Waldorfschule ca. 140 Schüler, das einzügige Gymnasium hat ca. 300 Schüler.
Durch die Teilungen ist der Raumbedarf größer, da vor allem bei Drittelungen entsprechend mehr Räume gleichzeitig zur Verfügung stehen müssen.
In der Waldorfpädagogik wird Wert auf das gemeinsame Erarbeiten der Unterrichtsthematik gelegt. Dies ist in einem Klassenraum mit einer ganzen Klasse schlecht möglich, so dass hierfür andere Raumbereiche nötig sind. Dafür sind in dem Entwurf Lerninseln geplant, in denen Schülergruppen vorgegebene Themen bearbeiten können. Dabei werden sie vom zuständigen Lehrpersonal beaufsichtigt.

> Ausblick:
Frühestens ab 2027 werden im 2. BA die noch fehlenden Klassenräume und Fachräume gebaut. Die Planung des 2. BA liegt bereits als Vorentwurf vor. Der 2. BA ist dann nach Erreichen der Vollbezuschussung und je nach finanziellen Möglichkeiten des Schulträgers und der Auszahlung der Bauzuschüsse für den 1. BA, finanzierbar. Im Jahr 2035 wird die Schule dann spätestens die volle Schülerzahl von ca. 440 Schülern erreicht haben.
Als selbstständiger 3. BA ist der Bau einer 1,5-fachen Sporthalle vorgesehen. Abhängig von den Förderbedingungen kann dieser Bauabschnitt auch vorgezogen werden.
Im 4. BA sollen die Räume für die Offene Ganztagesschule des Gymnasiums vorgesehen sowie die Mensa errichtet werden.
Unabhängig von den anderen Bauabschnitten ist auf dem Grundstück der Bau eines Saales vorgesehen, dessen Finanzierung allerdings noch offen ist.